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>> Baubeschreibung Bü 133 "Jungmeister" <<

Baubeschreibung von: Professor Dr. Georg Freund, Marburg
eingereicht am: 17. Januar 2002
Kontakt: per e-mail
Homepage: http://prof-freund.de/
http://www.fieselerstorch.de/
Bemerkungen: dieser Beitrag ist auch in der Zeitschrift Modellflug international 2001, Heft 5, Seite 32 - 34 erschienen
Weniger ist mehr - "Bücker Jungmeister" leicht gemacht

klicken, um Foto zu vergrössernDer "Jungmeister" von Bücker wurde in den 30er Jahren entwickelt. Er war Nachfolger des 2-sitzigen und mit einem Reihenmotor ausgestatteten Schuldoppeldeckers "Bücker Jungmann". Mit einer Spannweite von 6,60 m, einer Länge von 6,02 m und einem 7-Zylinder Sternmotor (160 PS) von Siemens ausgestattet war der "Jungmeister" das erfolgreichste Kunstflugzeug der 30er Jahre. Mit ihm waren auch gerissene Rollen und negative Figuren möglich. Auch wird berichtet, daß eine Kunstflugkette aus drei Maschinen, die vom Start bis zur Landung an den Tragflächen miteinander verbunden waren, eine ganze Reihe schwieriger Kunstflugfiguren zeigte. Noch in den 50er Jahren wurden die ausgezeichneten Rückenflugeigenschaften der Maschine durch eine Überquerung der Alpen im Rückenflug demonstriert.

klicken, um Foto zu vergrössernWer eine reizvolle Alternative zu den im Erscheinungs- und Flugbild recht monotonen Kunstflug-Eindeckern sucht und einen gewissen Bauaufwand nicht scheut, kann durch eine "Bücker Jungmeister" mit einer m. E. idealen Spannweite von 2 m sein kunstfliegerisches Können vor echte Herausforderungen stellen. Auf alle Fälle ist eine Menge Flugspaß zu haben. In der MFI 6/1992 wurde ausführlich über den Bau einer solchen Maschine auf der Grundlage des Bauplans von Rödel berichtet. Die dort beschriebene Maschine war allerdings mit einem ZG 38 - also für "ehrgeizige" Kunstflugpiloten etwas schwach - motorisiert. Weitere Baubeschreibungen finden sich in MODELL 5/93 und - für die von Rödel vor allem durch die Verwendung von CNC-gefrästen Teilen überarbeitete Version des Bausatzes - in MODELL 10/2000. Darin wich frühere Kritik nahezu uneingeschränktem Lob. Insoweit halte ich eine etwas differenziertere Beurteilung für angemessen. Alle drei bisherigen Bau- und Bausatzbeschreibungen leiden m. E. unter einem erheblichen Mangel: Sie berücksichtigen das für einen beabsichtigten Einsatz als Kunstflugmodell, aber auch für den einfachen Langsamflug fundamentale Gewichtsproblem nicht angemessen. Da ich nicht nur beide Versionen des Bausatzes von Rödel kenne, sondern auch beide Versionen jeweils zum Bau einer Bücker verwendet habe, scheint es mir nach den gewonnenen Erfahrungen angebracht, einige wichtige ergänzende Hinweise zum Bau des durchaus empfehlenswerten Modells zu geben:

klicken, um Foto zu vergrössernMeine erste Bücker mit der Kennung D-EXNI entstand von Oktober 1994 bis August 1995. Schon damals war ich durch die bereits vorliegenden Bauberichte über die Gewichtsprobleme informiert und darauf bedacht, in Abweichung vom damaligen Bausatz leichter zu bauen. Beispielsweise habe ich die Ausschnitte in den Rumpfseitenwänden vergrößert, zusätzliche Löcher gefräst und die Balsagrundplatten für das Leitwerk, das Höhen- und Seitenruder sowie die Randbögen der Flächen ebenfalls mit Löchern versehen. Die Anregung dazu kam von dem Bericht in der MFI 6/1992. Trotz solcher gewichtserleichternder Maßnahmen erreichte ich damals mein angestrebtes Idealgewicht der komplett mit einem ZG 62 und Hydro-Mount-System ausgestatteten Maschine von 10 kg nicht, sondern blieb - nicht zuletzt wegen des benötigten Trimmbleis von etwa 250 gr. deutlich darüber: Meine Bücker wog etwa 11,1 kg (vollgetankt: 11,6 kg). Die hervorragenden Flugeigenschaften trösteten mich rasch darüber hinweg, daß ich meine Zielvorstellung in puncto Gewicht nicht erreicht hatte. Immerhin lag meine Maschine im Gewicht trotz des von mir eingesetzten ZG 62 unter dem Gewicht eines der beschriebenen Testmodelle, das (ohne später hinzugefügtes Trimmblei!) 11, 4 kg wog und nur mit einem ZG 38 ausgestattet war. Meine Bücker (D-EXNI) ist inzwischen auf knapp 200 Flügen intensiv erprobt: Das Modell verhält sich bei Start und Landung vollkommen unkritisch. Fast alle Figuren sind möglich. Auch Messerflug, gerissene und gestoßene Rollen sowie Rückenflug und Rückentrudeln - um nur einige Beispiele zu nennen - gelingen ohne weiteres.

klicken, um Foto zu vergrössernDie hervorragenden Flugeigenschaften meiner Bücker ließen bei mir immer wieder den Gedanken an eine weitere Steigerung durch geringeres Abfluggewicht aufkommen. Da gewichtsreduzierende Maßnahmen bei einem fertigen Modell nur begrenzt möglich sind, entschloß ich mich nach längerem Zögern zum Bau einer zweiten Maschine. Den letzten Anstoß dafür gab die Überarbeitung des Bausatzes von Rödel, der durch den Einsatz der CNC-Frästechnik geringeres Gewicht erhoffen ließ. Später stellte sich allerdings heraus, daß die optisch ansprechenden ausgefrästen Sperrholzrippen letztlich etwa ebenso schwer sind wie die früher im Bausatz enthaltenen massiven Rippen aus Balsaholz. Wenn die "neue" Bücker also wirklich leichter als die "alte" werden sollte, waren eigene Ideen und weitere Abweichungen von dem Rödelbausatz gefragt.

klicken, um Foto zu vergrössernInsbesondere folgende Maßnahmen wurden getroffen: Die Ausschnitte in den Rumpfseitenteilen habe ich wiederum deutlich vergrößert. Dabei wurden auch die zwar hübsch aussehenden, aber in ihrer Stabilisierungsfunktion eher zweifelhaften Stege aus Sperrholz ganz herausgetrennt. Diese Funktion übernehmen in meinem Modell leichte und gezielt eingesetzte Verstrebungen aus dünnen Balsaleisten. Der Rumpfboden entfiel zugunsten kleiner Eckverstärkungen ganz. Statt Löcher in die Leitwerksplatten und die Flächenrandbögen zu bohren, habe ich gleich dünnere Grundplatten (3 mm) verwendet. Auch die Rumpfrückenbeplankung ist ohne relevante Stabilitätseinbuße eine Nummer dünner ausgefallen. Die "gewichtigen" Querhölzer (130 gr.) für die Befestigung des Fahrwerks wurden ganz weggelassen. Das von mir verwendete Scale-Fahrwerk, für dessen aufwendige Herstellung ich an dieser Stelle Klaus Dieter Fischer ganz herzlich danken möchte, wird ganz einfach durch das untere Flächenmittelteil in den Rumpfseitenwänden verankert. Diese Rumpfseitenwände sind an den entsprechenden Stellen verstärkt und mit M 5 Einschraubmuttern versehen. Die erforderliche Querstabilisierung übernehmen die Holme des Flächenmittelteils. Von vornherein tabu waren die zu schweren GFK Zubehörteile von Rödel. Die Rumpf-Flächen und Rumpf-Leitwerksübergänge habe ich viel preisgünstiger und leichter aus z. B. bei Graupner erhältlichem 0,2 mm starken Alublech hergestellt. Das Fahrwerk wurde ohnehin so konzipiert, daß es wie eine Rippenfläche bespannt werden kann. Bei den Flächen habe ich die vorgesehenen schweren Kieferleisten (5x10 und 3x10 mm) durch solche mit 5x5 und 3x5 mm ersetzt und diese mit entsprechend leichten Balsaleisten kombiniert. Mit Blick auf die vorgesehene Fahrwerksbefestigung konnte ich auf die Teilung der Flächen nicht verzichten. Allerdings wurde nicht die von Rödel lieferbare Steckung verwendet, sondern auf ein viel leichteres Rohr von Modellbau Kuhlmann (Dortmund) zurückgegriffen. Dort gibt es übrigens auch eine genau unter die Haube passende Sternmotorattrappe. Die Flächensteckung hat bei mir nicht die Funktion, irgendwelche Biegekräfte während des Fluges aufzunehmen. Sie dient nur dem erleichterten Aufbau des Modells. Sie könnte an sich durch kleine Dübel in den Anschlußrippen ersetzt werden. Deshalb habe ich auch auf die vorgesehene Verkastung ganz verzichtet. Auch die von Rödel zum Zubehör "Steckzeug" mitgelieferten Sperrholzanschlußrippen sind aus meiner Sicht überdimensioniert. Eingebaut wurden halb so dicke. Die Flächen werden wie beim Original durch die Verspannung gehalten. Die Seile bestehen aus einer Kombination des 100 kp-Seils mit dem 60 kp-Seil (kunststoffummantelt). Bezogen habe ich das Seil nebst Quetschhülsen von der Fa Toni Clark. Dort gibt es auch die von mir für die Stile wegen ihres geringen Gewichts bei hoher Festigkeit eingesetzten dünnwandigen Edelstahlrohre in Tropfenform (10,5x5,1x0,3 mm). In diese Stiele werden die gebogenen Anschlußlaschen mit Uhu plus Endfest 300 eingeklebt und verschraubt. Die Verschraubung der Stile mit den Tragflächen erfolgt durch M 3-Inbusschrauben. Diese Inbusschrauben greifen in gerändelte Gewindebuchsen, die in kleine - mit den Holmen verbundene - Abachi-Klötzchen eingeharzt sind. Positiv auf die Gewichtsbilanz wirkt sich auch der sicher nicht leichte Verzicht auf die von Rödel fertig gelieferten Baldachinstreben aus. Immerhin 150 gr. sind zu sparen, wenn man sich die Mühe macht, aus dünnwandigem Edelstahlrohr (13,0x6,7x0,3 bzw. 10,5x5,1x0,3 mm) ein eigenes Konzept zu entwickeln. Da ich nicht gerne Hartlötungen ausführe, habe ich die Anschlußlaschen aus einem Verbund von Messing und Aluminium in die Rohre eingeklebt und verschraubt. Dabei sollte auch gleich mitberücksichtigt werden, daß die Spannseile und die Baldachinhalter einer Verankerung bedürfen. Um die Spannseile zu schonen, verwende ich seit langem nicht nur die "nackten" Bleche (Messing und/oder Aluminium), sondern runde die Löcher für die Verankerung der Seile durch mit Uhu plus eingesetzte Ringösen ab. Spannschlösser stellen nicht nur wegen der meist scharfen Kanten, um die das Seil geführt wird, ein Sicherheitsrisiko dar, sondern sind ebenfalls unnötiger Ballast: Wer beim Spannen der Seile sorgfältig vorgeht, kann die Spannschlösser weglassen.

Durch die getroffenen gewichtserleichternden Maßnahmen im Heckbereich war es ohne Schwerpunktprobleme möglich, die beiden Servos für das Höhenruder (eines davon ist mit Blick auf die symmetrische Drehrichtung umgepolt) und das Servo für das Seitenruder direkt unter dem Leitwerk zu plazieren. Das ermöglicht kurze Anlenkungen. Der Akku ist übrigens ganz vorn im Rumpf in einem kleinen Kästchen direkt hinter der Schalldämpferkammer untergebracht.

klicken, um Foto zu vergrössernNoch ein Wort zum Einbau des ZG 62: Rödel bietet dafür einen fertigen Motorspant an. Ich habe diesen Spant ( wie so manches Zubehör leider) bestellt - und nach reiflicher Überlegung beiseite gelegt. Das Konzept hat mich nicht überzeugt. Vielmehr fertigte ich - wie schon bei meiner "alten" Bücker - einen eigenen Spant an, der speziell auf die Bedürfnisse des ZG 62 (mit Hydro-Mount-System Piper) zugeschnitten ist. Bei diesem Spant befinden sich rechts und links Schlitze. In diese greifen die von mir nach vorn verlängerten Sperrholzverstärkungen der Rumpfseitenteile so ein, daß eine solide Verbindung entsteht. Von der Rumpfoberseite her kommend, geht bei mir überdies eine Kieferleiste ebenfalls durch den Motorspant. Diese Konstuktion erlaubt nicht nur eine einfache Feinjustierung des Motorsturzes bzw. des Seitenzuges, sondern gibt mir auch das sichere Gefühl, daß sich der laufende Motor nicht eines Tages samt Spant verselbständigt.

klicken, um Foto zu vergrössernZur Schwerpunktlage: Der Schwerpunkt meiner "neuen" Bücker liegt gut einen Zentimeter vor dem im Plan angegebenen Punkt. Trimmblei war nicht erforderlich. Da das exakte Auswiegen eines Doppeldeckers dieser Größe nicht ganz einfach ist, habe ich an dem von mir vorgesehenen Schwerpunkt in die Rumpfseitenteile links und rechts etwa 1 cm lange Aluröhrchen eingeharzt (Innendurchmesser 4 mm). So war es möglich, durch diese Röhrchen einen Stab aus Stahl zu stecken und das Modell nach dem Finish exakt auszuwiegen. Apropos Finish: Zackenband kann man auch mit einer Zackenschere aus der ohnehin verwendeten Gewebefolie (z. B. Super Coverite oder Solartex) selbst ausschneiden und einfach aufbügeln. Die Imitation der Nähte erfolgt durch kleine Weißleimraupen.

klicken, um Foto zu vergrössernDie "neue" Bücker, die von Januar bis September 2000 entstanden ist, hat die Kennung HB-MIK erhalten. Eine entsprechende Originalmaschine des schweizer Militärs wurde für zivile Zwecke abgegeben (Do/Bü 133C; Ex-Militärkennzeichnung: U-49). Da ich nicht an Wettbewerben teilnehme, habe ich mir allerdings die Freiheit genommen, in einigen Punkten vom großen Vorbild abzuweichen und eigenen Gestaltungsideen Raum gegeben. Das Wichtigste zum Schluß: Meine "neue" Bücker wiegt mit kompletter Ausstattung (incl. geladenem Akku) 9,4 kg. Das ergibt vollgetankt ein Abfluggewicht von 9,9 kg. Mit dem ZG 62 ist sie bei leicht erhöhtem Leerlauf - also "realistischen" Drehzahlen - fliegbar. Es macht richtig Spaß, mit diesem Modell originalgetreu langsam zu fliegen. Je nach Lust und Laune ist aber auch kraftvoller und dennoch leiser Kunstflug möglich. Kunstfliegerische Grenzen ergeben sich praktisch nur durch das Können des Piloten. Trotz der leichteren Bauweise hat die Maschine auf bisher etwa 25 Flügen selbst meine rücksichtslosen gerissenen Figuren heil überstanden.

Mein Fazit: Das neue (und alte) Bücker-Konzept von Rödel ist grundsätzlich in Ordnung. Eine danach gebaute Bücker fliegt - wie die bereits vorliegenden Berichte bestätigt haben - sogar mit 12,8 kg noch ganz ordentlich. Wer bei guter Motorisierung optimalen Flugspaß haben möchte, muß jedoch zu zahlreichen gewichtsrezudierenden Maßnahmen greifen, um eine geringere Flächenbelastung zu erzielen. Der "Sprung" von 11,1 kg bei meiner "alten" auf 9,4 kg bei meiner "neuen" Bücker war für mich beeindruckend.

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