| Weniger ist mehr - "Bücker
Jungmeister" leicht gemacht Der
"Jungmeister" von Bücker wurde in den 30er Jahren
entwickelt. Er war Nachfolger des 2-sitzigen und mit einem Reihenmotor
ausgestatteten Schuldoppeldeckers "Bücker Jungmann".
Mit einer Spannweite von 6,60 m, einer Länge von 6,02 m und
einem 7-Zylinder Sternmotor (160 PS) von Siemens ausgestattet war
der "Jungmeister" das erfolgreichste Kunstflugzeug der
30er Jahre. Mit ihm waren auch gerissene Rollen und negative Figuren
möglich. Auch wird berichtet, daß eine Kunstflugkette
aus drei Maschinen, die vom Start bis zur Landung an den Tragflächen
miteinander verbunden waren, eine ganze Reihe schwieriger Kunstflugfiguren
zeigte. Noch in den 50er Jahren wurden die ausgezeichneten Rückenflugeigenschaften
der Maschine durch eine Überquerung der Alpen im Rückenflug
demonstriert.
Wer
eine reizvolle Alternative zu den im Erscheinungs- und Flugbild
recht monotonen Kunstflug-Eindeckern sucht und einen gewissen Bauaufwand
nicht scheut, kann durch eine "Bücker Jungmeister"
mit einer m. E. idealen Spannweite von 2 m sein kunstfliegerisches
Können vor echte Herausforderungen stellen. Auf alle Fälle
ist eine Menge Flugspaß zu haben. In der MFI 6/1992 wurde
ausführlich über den Bau einer solchen Maschine auf der
Grundlage des Bauplans von Rödel berichtet. Die dort beschriebene
Maschine war allerdings mit einem ZG 38 - also für "ehrgeizige"
Kunstflugpiloten etwas schwach - motorisiert. Weitere Baubeschreibungen
finden sich in MODELL 5/93 und - für die von Rödel vor
allem durch die Verwendung von CNC-gefrästen Teilen überarbeitete
Version des Bausatzes - in MODELL 10/2000. Darin wich frühere
Kritik nahezu uneingeschränktem Lob. Insoweit halte ich eine
etwas differenziertere Beurteilung für angemessen. Alle drei
bisherigen Bau- und Bausatzbeschreibungen leiden m. E. unter einem
erheblichen Mangel: Sie berücksichtigen das für einen
beabsichtigten Einsatz als Kunstflugmodell, aber auch für den
einfachen Langsamflug fundamentale Gewichtsproblem nicht angemessen.
Da ich nicht nur beide Versionen des Bausatzes von Rödel kenne,
sondern auch beide Versionen jeweils zum Bau einer Bücker verwendet
habe, scheint es mir nach den gewonnenen Erfahrungen angebracht,
einige wichtige ergänzende Hinweise zum Bau des durchaus empfehlenswerten
Modells zu geben:
Meine
erste Bücker mit der Kennung D-EXNI entstand von Oktober 1994
bis August 1995. Schon damals war ich durch die bereits vorliegenden
Bauberichte über die Gewichtsprobleme informiert und darauf
bedacht, in Abweichung vom damaligen Bausatz leichter zu bauen.
Beispielsweise habe ich die Ausschnitte in den Rumpfseitenwänden
vergrößert, zusätzliche Löcher gefräst
und die Balsagrundplatten für das Leitwerk, das Höhen-
und Seitenruder sowie die Randbögen der Flächen ebenfalls
mit Löchern versehen. Die Anregung dazu kam von dem Bericht
in der MFI 6/1992. Trotz solcher gewichtserleichternder Maßnahmen
erreichte ich damals mein angestrebtes Idealgewicht der komplett
mit einem ZG 62 und Hydro-Mount-System ausgestatteten Maschine von
10 kg nicht, sondern blieb - nicht zuletzt wegen des benötigten
Trimmbleis von etwa 250 gr. deutlich darüber: Meine Bücker
wog etwa 11,1 kg (vollgetankt: 11,6 kg). Die hervorragenden Flugeigenschaften
trösteten mich rasch darüber hinweg, daß ich meine
Zielvorstellung in puncto Gewicht nicht erreicht hatte. Immerhin
lag meine Maschine im Gewicht trotz des von mir eingesetzten ZG
62 unter dem Gewicht eines der beschriebenen Testmodelle, das (ohne
später hinzugefügtes Trimmblei!) 11, 4 kg wog und nur
mit einem ZG 38 ausgestattet war. Meine Bücker (D-EXNI) ist
inzwischen auf knapp 200 Flügen intensiv erprobt: Das Modell
verhält sich bei Start und Landung vollkommen unkritisch. Fast
alle Figuren sind möglich. Auch Messerflug, gerissene und gestoßene
Rollen sowie Rückenflug und Rückentrudeln - um nur einige
Beispiele zu nennen - gelingen ohne weiteres.
Die
hervorragenden Flugeigenschaften meiner Bücker ließen
bei mir immer wieder den Gedanken an eine weitere Steigerung durch
geringeres Abfluggewicht aufkommen. Da gewichtsreduzierende Maßnahmen
bei einem fertigen Modell nur begrenzt möglich sind, entschloß
ich mich nach längerem Zögern zum Bau einer zweiten Maschine.
Den letzten Anstoß dafür gab die Überarbeitung des
Bausatzes von Rödel, der durch den Einsatz der CNC-Frästechnik
geringeres Gewicht erhoffen ließ. Später stellte sich
allerdings heraus, daß die optisch ansprechenden ausgefrästen
Sperrholzrippen letztlich etwa ebenso schwer sind wie die früher
im Bausatz enthaltenen massiven Rippen aus Balsaholz. Wenn die "neue"
Bücker also wirklich leichter als die "alte" werden
sollte, waren eigene Ideen und weitere Abweichungen von dem Rödelbausatz
gefragt.
Insbesondere
folgende Maßnahmen wurden getroffen: Die Ausschnitte in den
Rumpfseitenteilen habe ich wiederum deutlich vergrößert.
Dabei wurden auch die zwar hübsch aussehenden, aber in ihrer
Stabilisierungsfunktion eher zweifelhaften Stege aus Sperrholz ganz
herausgetrennt. Diese Funktion übernehmen in meinem Modell
leichte und gezielt eingesetzte Verstrebungen aus dünnen Balsaleisten.
Der Rumpfboden entfiel zugunsten kleiner Eckverstärkungen ganz.
Statt Löcher in die Leitwerksplatten und die Flächenrandbögen
zu bohren, habe ich gleich dünnere Grundplatten (3 mm) verwendet.
Auch die Rumpfrückenbeplankung ist ohne relevante Stabilitätseinbuße
eine Nummer dünner ausgefallen. Die "gewichtigen"
Querhölzer (130 gr.) für die Befestigung des Fahrwerks
wurden ganz weggelassen. Das von mir verwendete Scale-Fahrwerk,
für dessen aufwendige Herstellung ich an dieser Stelle Klaus
Dieter Fischer ganz herzlich danken möchte, wird ganz einfach
durch das untere Flächenmittelteil in den Rumpfseitenwänden
verankert. Diese Rumpfseitenwände sind an den entsprechenden
Stellen verstärkt und mit M 5 Einschraubmuttern versehen. Die
erforderliche Querstabilisierung übernehmen die Holme des Flächenmittelteils.
Von vornherein tabu waren die zu schweren GFK Zubehörteile
von Rödel. Die Rumpf-Flächen und Rumpf-Leitwerksübergänge
habe ich viel preisgünstiger und leichter aus z. B. bei Graupner
erhältlichem 0,2 mm starken Alublech hergestellt. Das Fahrwerk
wurde ohnehin so konzipiert, daß es wie eine Rippenfläche
bespannt werden kann. Bei den Flächen habe ich die vorgesehenen
schweren Kieferleisten (5x10 und 3x10 mm) durch solche mit 5x5 und
3x5 mm ersetzt und diese mit entsprechend leichten Balsaleisten
kombiniert. Mit Blick auf die vorgesehene Fahrwerksbefestigung konnte
ich auf die Teilung der Flächen nicht verzichten. Allerdings
wurde nicht die von Rödel lieferbare Steckung verwendet, sondern
auf ein viel leichteres Rohr von Modellbau Kuhlmann (Dortmund) zurückgegriffen.
Dort gibt es übrigens auch eine genau unter die Haube passende
Sternmotorattrappe. Die Flächensteckung hat bei mir nicht die
Funktion, irgendwelche Biegekräfte während des Fluges
aufzunehmen. Sie dient nur dem erleichterten Aufbau des Modells.
Sie könnte an sich durch kleine Dübel in den Anschlußrippen
ersetzt werden. Deshalb habe ich auch auf die vorgesehene Verkastung
ganz verzichtet. Auch die von Rödel zum Zubehör "Steckzeug"
mitgelieferten Sperrholzanschlußrippen sind aus meiner Sicht
überdimensioniert. Eingebaut wurden halb so dicke. Die Flächen
werden wie beim Original durch die Verspannung gehalten. Die Seile
bestehen aus einer Kombination des 100 kp-Seils mit dem 60 kp-Seil
(kunststoffummantelt). Bezogen habe ich das Seil nebst Quetschhülsen
von der Fa Toni Clark. Dort gibt es auch die von mir für die
Stile wegen ihres geringen Gewichts bei hoher Festigkeit eingesetzten
dünnwandigen Edelstahlrohre in Tropfenform (10,5x5,1x0,3 mm).
In diese Stiele werden die gebogenen Anschlußlaschen mit Uhu
plus Endfest 300 eingeklebt und verschraubt. Die Verschraubung der
Stile mit den Tragflächen erfolgt durch M 3-Inbusschrauben.
Diese Inbusschrauben greifen in gerändelte Gewindebuchsen,
die in kleine - mit den Holmen verbundene - Abachi-Klötzchen
eingeharzt sind. Positiv auf die Gewichtsbilanz wirkt sich auch
der sicher nicht leichte Verzicht auf die von Rödel fertig
gelieferten Baldachinstreben aus. Immerhin 150 gr. sind zu sparen,
wenn man sich die Mühe macht, aus dünnwandigem Edelstahlrohr
(13,0x6,7x0,3 bzw. 10,5x5,1x0,3 mm) ein eigenes Konzept zu entwickeln.
Da ich nicht gerne Hartlötungen ausführe, habe ich die
Anschlußlaschen aus einem Verbund von Messing und Aluminium
in die Rohre eingeklebt und verschraubt. Dabei sollte auch gleich
mitberücksichtigt werden, daß die Spannseile und die
Baldachinhalter einer Verankerung bedürfen. Um die Spannseile
zu schonen, verwende ich seit langem nicht nur die "nackten"
Bleche (Messing und/oder Aluminium), sondern runde die Löcher
für die Verankerung der Seile durch mit Uhu plus eingesetzte
Ringösen ab. Spannschlösser stellen nicht nur wegen der
meist scharfen Kanten, um die das Seil geführt wird, ein Sicherheitsrisiko
dar, sondern sind ebenfalls unnötiger Ballast: Wer beim Spannen
der Seile sorgfältig vorgeht, kann die Spannschlösser
weglassen.
Durch die getroffenen gewichtserleichternden Maßnahmen
im Heckbereich war es ohne Schwerpunktprobleme möglich, die
beiden Servos für das Höhenruder (eines davon ist mit
Blick auf die symmetrische Drehrichtung umgepolt) und das Servo
für das Seitenruder direkt unter dem Leitwerk zu plazieren.
Das ermöglicht kurze Anlenkungen. Der Akku ist übrigens
ganz vorn im Rumpf in einem kleinen Kästchen direkt hinter
der Schalldämpferkammer untergebracht.
Noch
ein Wort zum Einbau des ZG 62: Rödel bietet dafür einen
fertigen Motorspant an. Ich habe diesen Spant ( wie so manches Zubehör
leider) bestellt - und nach reiflicher Überlegung beiseite
gelegt. Das Konzept hat mich nicht überzeugt. Vielmehr fertigte
ich - wie schon bei meiner "alten" Bücker - einen
eigenen Spant an, der speziell auf die Bedürfnisse des ZG 62
(mit Hydro-Mount-System Piper) zugeschnitten ist. Bei diesem Spant
befinden sich rechts und links Schlitze. In diese greifen die von
mir nach vorn verlängerten Sperrholzverstärkungen der
Rumpfseitenteile so ein, daß eine solide Verbindung entsteht.
Von der Rumpfoberseite her kommend, geht bei mir überdies eine
Kieferleiste ebenfalls durch den Motorspant. Diese Konstuktion erlaubt
nicht nur eine einfache Feinjustierung des Motorsturzes bzw. des
Seitenzuges, sondern gibt mir auch das sichere Gefühl, daß
sich der laufende Motor nicht eines Tages samt Spant verselbständigt.
Zur
Schwerpunktlage: Der Schwerpunkt meiner "neuen" Bücker
liegt gut einen Zentimeter vor dem im Plan angegebenen Punkt. Trimmblei
war nicht erforderlich. Da das exakte Auswiegen eines Doppeldeckers
dieser Größe nicht ganz einfach ist, habe ich an dem
von mir vorgesehenen Schwerpunkt in die Rumpfseitenteile links und
rechts etwa 1 cm lange Aluröhrchen eingeharzt (Innendurchmesser
4 mm). So war es möglich, durch diese Röhrchen einen Stab
aus Stahl zu stecken und das Modell nach dem Finish exakt auszuwiegen.
Apropos Finish: Zackenband kann man auch mit einer Zackenschere
aus der ohnehin verwendeten Gewebefolie (z. B. Super Coverite oder
Solartex) selbst ausschneiden und einfach aufbügeln. Die Imitation
der Nähte erfolgt durch kleine Weißleimraupen.
Die
"neue" Bücker, die von Januar bis September 2000
entstanden ist, hat die Kennung HB-MIK erhalten. Eine entsprechende
Originalmaschine des schweizer Militärs wurde für zivile
Zwecke abgegeben (Do/Bü 133C; Ex-Militärkennzeichnung:
U-49). Da ich nicht an Wettbewerben teilnehme, habe ich mir allerdings
die Freiheit genommen, in einigen Punkten vom großen Vorbild
abzuweichen und eigenen Gestaltungsideen Raum gegeben. Das Wichtigste
zum Schluß: Meine "neue" Bücker wiegt mit kompletter
Ausstattung (incl. geladenem Akku) 9,4 kg. Das ergibt vollgetankt
ein Abfluggewicht von 9,9 kg. Mit dem ZG 62 ist sie bei leicht erhöhtem
Leerlauf - also "realistischen" Drehzahlen - fliegbar.
Es macht richtig Spaß, mit diesem Modell originalgetreu langsam
zu fliegen. Je nach Lust und Laune ist aber auch kraftvoller und
dennoch leiser Kunstflug möglich. Kunstfliegerische Grenzen
ergeben sich praktisch nur durch das Können des Piloten. Trotz
der leichteren Bauweise hat die Maschine auf bisher etwa 25 Flügen
selbst meine rücksichtslosen gerissenen Figuren heil überstanden.
Mein Fazit: Das neue (und alte) Bücker-Konzept
von Rödel ist grundsätzlich in Ordnung. Eine danach gebaute
Bücker fliegt - wie die bereits vorliegenden Berichte bestätigt
haben - sogar mit 12,8 kg noch ganz ordentlich. Wer bei guter Motorisierung
optimalen Flugspaß haben möchte, muß jedoch zu
zahlreichen gewichtsrezudierenden Maßnahmen greifen, um eine
geringere Flächenbelastung zu erzielen. Der "Sprung"
von 11,1 kg bei meiner "alten" auf 9,4 kg bei meiner "neuen"
Bücker war für mich beeindruckend. |