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Feierabendvergnügen
Die Bücker Jungmeister von robbe
Es
weht ein leichter Abendwind. Auf dem Bürgersteig steht ein
eleganter Slowflyer. Vollgas! Der Elektromotor surrt und das Modell
steigt sanft der Abendsonne entgegen. Die Bücker Jungmeister
von robbe, das perfekte Feierabendvergnügen?
Das Original
Der Prototyp der von Carl Clemens Bücker konstruierten Bü-133
Jungmeister startete im Sommer 1935 in Berlin-Johannisthal. Der
einsitzige Doppeldecker Bü-133 war ein aus der Bü-131
Jungmann entwickeltes, voll kunstflugtaugliches Schulungsflugzeug
für Fortgeschrittene. Die Ausführungen Bü-133 B und
Bü-133 C wurden bis 1941 in Berlin Rangsdorf in Serie gebaut.
Mit der „Jungmeister“ wurden vor dem Zweiten Weltkrieg
zahlreiche nationale und internationale Kunstflugwettbewerbe gewonnen.
Das Original mit dem beim Modell vorliegenden Kennzeichen U-63 ist
bei Dornier in Altenrhein in der Schweiz in Lizenz gebaut worden.
Das Modell
Die
Bücker Jungmeister gab es bislang als Modell in den verschiedensten
Größen, mit Spannweiten von 2.355 Millimeter (Modellbau
Benja) über 2.000 Millimeter (Rödel-Modellbautechnik)
und 1.470 Millimeter (Roskothen
Modellbau) bis hin zu 1.100 Millimeter (Aero-Naut),
was die Beliebtheit dieses Modells zeigt. Die Bücker Jungmeister
von robbe schließt
mit dem vorliegenden Baukasten mit 790 Millimeter Spannweite die
bislang bestehende Lücke mit einem attraktiven Parkflyer. Die
Bücker macht einen recht kompakten Eindruck, was unter anderem
daran liegt, dass das Original nur 6,60 Meter Spannweite hatte.
Der Baukasten
Die
größeren Bauteile wie Rumpf oder Flächen findet
man sofort im Baukasten. Die Kleinholzteile sind in einem unteren
Fach im Baukasten sicher untergebracht. Zunächst ist man erstaunt,
wie leicht und weich die Schaumstoffteile sind, aber natürlich
erhöht sich die Festigkeit später mit dem Einbau der Spanten
und Verstrebungen. Die Tragflächen haben als Profil eine gebogene
Platte, was bei solch kleinen und langsamen Modellen günstiger
ist als ein Vollprofil.
Der Bau
Zunächst werden die Spanten im Rumpf eingeklebt. Sie sind gut
vorgestanzt und lassen sich leicht herauslösen, aber am Ende
bleibt eine kleine Klebenaht.
Die Spanten sitzen nicht besonders passfest im Rumpf und man wird
dazu verleitet, mit Epoxy nicht gerade sparsam umzugehen, um die
Übergänge zwischen Spanten und Rumpf nahtlos zu verkleben.
Es empfiehlt sich, die Spanten erst punktuell zu kleben und in einem
zweiten Durchgang die Lücken zu schließen. Dann werden
die Servo-Halteplatte und die Empfängerplatte eingeklebt. Für
den Akku ist eine Box vorgesehen. Bevor das Seitenleitwerk angebracht
wird, sollte man die Dekorbilder an Rumpf und Leitwerk anbringen.
Die besten Ergebnisse habe ich erzielt, indem ich die Dekorbilder
an den Ecken nach außen gezogen und festgehalten habe. Zum
Üben empfiehlt es sich, erst mit den Dekorbildern für
das Seitenruder und das Kennzeichen zu beginnen. Das Aufbringen
der schwarzen Streifen am vorderen Rumpfteil habe ich vorgezogen,
da der Rumpf noch nicht mit den Flächen verbunden ist und man
daher nicht so eingeengt ist. 100 Prozent faltenfrei habe ich das
nicht hinbekommen. Durchaus hilfreich ist es, nachdem man durch
Verschieben des Dekorbildes die eigentliche Position erreicht hat,
mit einem Balsamesser vorsichtig die Falten glatt zu streichen.
Die Dekorbilder sind nach dem Aufbringen sehr empfindlich und so
hat man oft schon einen „Lackschaden“, obwohl das Modell
noch gar nicht in der Luft gewesen ist. Es kommt noch hinzu, dass
sie nicht besonders haltbar sind. Hier sollte robbe vielleicht eine
andere Lösung anstreben.
Nach dem Einbau des Seiten- und Höhenleitwerkes werden die
Servos und die Rudergestänge sowie das Spornrad eingebaut.
Nachdem die Halterungen für die Flächenstreben aufgeklebt
sind, wird die untere Fläche verklebt. Zuvor sollte man die
Streben auf Passgenauigkeit in den Vertiefungen überprüfen.
Das Ankleben der oberen Tragfläche mit den vorbereiteten Schablonen
lässt sich sehr leicht durchführen und es macht wirklich
Spaß,
die Bücker so schnell entstehen zu sehen. Zwei weitere Schablonen
für die Überwachung des Einstellwinkels in der Flügelmitte
fände ich sinnvoll. Sie könnten vielleicht dem Baukasten
hinzugefügt werden. Es folgt das Anbringen der Fahrwerksverstrebung
und der Verkleidung. Von Piloten, die bereits Erfahrungen mit der
Bücker Jungmeister als Parkflyer haben, erfuhr ich, dass hier
eine Schwachstelle vorliegt. Das Fahrwerk bricht gerne bei einer
härteren Landung an der hinteren Fahrwerksstrebe. Ich habe
daher die Stelle, an denen die Streben zusammen kommen, mit Zwirn
und Epoxy verstärkt. Vor dem Einbau des Motors habe ich den
Sternmotor, den es als Corel-Draw Datei im Internet gibt, auf Fotopapier
gedruckt, zugeschnitten und vorne auf den Motorspant geklebt. Der
Effekt ist verblüffend und wertet das Scale-Aussehen erheblich
auf. Die Datei kann man im Bericht über die Bücker Jungmeister
im Internet unter
der Adresse http://www.rconline.net/magazin-2000/bueckerrobbe/buecker-robbe.shtml
herunterladen. Anschließend wird der Motor mit den Kondensatoren
und einem Ferritkern entstört. Ich habe mich zunächst
für den Speed 300 entschieden, habe also eine etwas stärkere
Motorvariante gewählt. Darauf hat mich einer der acht (!) Modellflieger
gebracht, die beim robbe Indoor-Meeting 2003 in Dortmund die Bücker
flogen. Um gleiche Höhe zu halten ist nur Halbgas nötig
und das Modell fliegt entsprechend ruhig. Die Motorleistung reicht
dann möglicherweise auch aus, um Bannerschlepp oder F-Schlepp
mit einer LO-100 von robbe oder einem Grunau Baby von Krick als
Parkflyersegler durchzuführen. Beim Anbringen des Getriebes
empfiehlt es sich, das im Baukasten enthaltene Kunststoffritzel
gegen ein ebenfalls bei robbe erhältliches Messingritzel auszutauschen.
Das Kunststoffritzel ist ungeeignet, da es dazu neigt, auf der Motorwelle
durchzurutschen.
Abschließend
fügte ich noch einige Scale-Details hinzu, die nicht im Baukasten
enthalten sind. Als erstes bekam die Bücker eine Plexiglasscheibe.
Dazu habe ich mir eine Dreiseitenansicht auf Modellgröße
hochkopiert, mit 0,8er Sperrholz eine Schablone angefertigt und
dann die Scheibe entsprechend ausgeschnitten. Die Halterung ist
durch einen Streifen schwarzes Isolierband angedeutet. Als weitere
Scale-Details fügte ich noch ein Auspuffrohr, einen Piloten
(aus der Stösser von Kavan), ein imitiertes Messingschild mit
der Werknummer 10, eine angedeutete Reisegepäckklappe sowie
einen Aufkleber für den Verbandkasten hinzu. Der Schwerpunkt
stimmte übrigens auf Anhieb.
Einfliegen
Der Erstflug in einem nahe gelegenen Park klappte gleich auf Anhieb.
Die Bücker stieg kerzengerade und zielstrebig in den Himmel
und lag absolut ruhig in der Luft. Das Modell ließ sich völlig
problemlos steuern und auch die Landung klappte. Verwundert hatte
mich lediglich die Flugzeit von nur knapp zwei Minuten. Obwohl ich
den Akku drei Mal mit C10 über die Funktion Entladen/ Laden
formiert hatte, war er schnell leer. Ein Hilferuf im Internet brachte
entscheidende Hinweise. Die im Baukasten enthaltene und für
den Speed 280 vorgesehene Luftschraube ist für den Speed 300
zu groß und hat eine zu große Steigung. Ich versuchte
es daraufhin mit einer 9 x 4,7 anstatt mit der im Baukasten enthaltenen
10 x 7. Die kleinere Luftschraube brachte allerdings keine wesentlich
längeren Flugzeiten. Dann tauschte ich den Speed 300 gegen
einen 280 BB aus (BB steht für „ball bearing“,
also Kugellager) und legte mir noch 8 Zellen Twicell 750 AAA (Nickel-Metall-Hydrid
Akkus) zu. Mit dieser Kombination lagen die Flugzeiten bei satten
zehn Minuten.
So macht Parklyer fliegen Spaß.

Noch höhere Flugzeiten lassen sich mit Lithium-Polymer Akkus
erreichen, die allerdings auch ein spezielles Ladegerät erforderlich
machen. Bei einer Landung, die nicht gerade eine Drei-Punkt-Landung
war, ist eine der Querstreben des Fahrwerks angebrochen. Ich habe
deshalb die querliegenden Balsa-Fahrwerksstreben von unten mit einem
Glasfaserrundstab verstärkt. Vielleicht sollte man diese Querstreben
bereits im Baukasten als Kiefernleisten vorsehen. Wegen des geringen
Raddurchmessers und des Abstandes vom Boden bis zu den Fahrwerksquerstreben
eignet sich die Bücker Jungmeister eher zum Starten und Landen
von Asphalt- oder Betonflächen als von holprigen und nicht
gerade
kurz gemähten Rasenflächen.
Fazit
Das Modell macht in der Luft eine exzellente Figur und sieht ausgesprochen
originalgetreu aus. Der Bau hat sich gelohnt und man wird mit einem
einmaligen Flugbild belohnt. Mit der Bücker Jungmeister zu
fliegen macht sehr viel Spaß – tatsächlich das
perfekte Feierabendvergnügen.
Rainer Deußen
Hinweis: alle Fotos von diesem Modell
findet ihr hier >>>
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