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>> Baubeschreibung Bü 133 "Jungmeister" von robbe <<

Baubeschreibung von: Rainer Deußen
eingereicht am: 03. Dezember 2003
Kontakt: per e-mail
Homepage: www.rainerdeussen.de
   
Bemerkungen:

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Den Original-Artikel könnt ihr Euch hier herunterladen (PDF, 223 kb). Bericht aus der Zeitschrift "Modellflieger", Ausgabe Dezember 2003 /Januar 2004. Mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Modellflieger Verbandes.

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  Technische Daten
 
Maßstab: 1:8,4 (original Spannweite 6,60 m)
Spannweite: 790 mm
Rumpflänge: 720 mm
Gewicht: ca. 350 g
Tragflächeninhalt: 62 dm2
Flächenbelastung: 4,8 g/dm2
Getriebe: 1:4,5 (im BK enthalten)
Propeller: 10 x 7
Funktionen: Höhe, Seite, Regler
Preis: 99,90 Euro (Stand: Dezember 2003)
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  Feierabendvergnügen
Die Bücker Jungmeister von robbe

Es weht ein leichter Abendwind. Auf dem Bürgersteig steht ein eleganter Slowflyer. Vollgas! Der Elektromotor surrt und das Modell steigt sanft der Abendsonne entgegen. Die Bücker Jungmeister von robbe, das perfekte Feierabendvergnügen?

Das Original
Der Prototyp der von Carl Clemens Bücker konstruierten Bü-133 Jungmeister startete im Sommer 1935 in Berlin-Johannisthal. Der einsitzige Doppeldecker Bü-133 war ein aus der Bü-131 Jungmann entwickeltes, voll kunstflugtaugliches Schulungsflugzeug für Fortgeschrittene. Die Ausführungen Bü-133 B und Bü-133 C wurden bis 1941 in Berlin Rangsdorf in Serie gebaut. Mit der „Jungmeister“ wurden vor dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche nationale und internationale Kunstflugwettbewerbe gewonnen. Das Original mit dem beim Modell vorliegenden Kennzeichen U-63 ist bei Dornier in Altenrhein in der Schweiz in Lizenz gebaut worden.

Das Modell
Die Bücker Jungmeister gab es bislang als Modell in den verschiedensten Größen, mit Spannweiten von 2.355 Millimeter (Modellbau Benja) über 2.000 Millimeter (Rödel-Modellbautechnik) und 1.470 Millimeter (Roskothen Modellbau) bis hin zu 1.100 Millimeter (Aero-Naut), was die Beliebtheit dieses Modells zeigt. Die Bücker Jungmeister von robbe schließt mit dem vorliegenden Baukasten mit 790 Millimeter Spannweite die bislang bestehende Lücke mit einem attraktiven Parkflyer. Die Bücker macht einen recht kompakten Eindruck, was unter anderem daran liegt, dass das Original nur 6,60 Meter Spannweite hatte.

Der Baukasten
Die größeren Bauteile wie Rumpf oder Flächen findet man sofort im Baukasten. Die Kleinholzteile sind in einem unteren Fach im Baukasten sicher untergebracht. Zunächst ist man erstaunt, wie leicht und weich die Schaumstoffteile sind, aber natürlich erhöht sich die Festigkeit später mit dem Einbau der Spanten und Verstrebungen. Die Tragflächen haben als Profil eine gebogene Platte, was bei solch kleinen und langsamen Modellen günstiger ist als ein Vollprofil.

Der Bau
Zunächst werden die Spanten im Rumpf eingeklebt. Sie sind gut vorgestanzt und lassen sich leicht herauslösen, aber am Ende bleibt eine kleine Klebenaht. Die Spanten sitzen nicht besonders passfest im Rumpf und man wird dazu verleitet, mit Epoxy nicht gerade sparsam umzugehen, um die Übergänge zwischen Spanten und Rumpf nahtlos zu verkleben. Es empfiehlt sich, die Spanten erst punktuell zu kleben und in einem zweiten Durchgang die Lücken zu schließen. Dann werden die Servo-Halteplatte und die Empfängerplatte eingeklebt. Für den Akku ist eine Box vorgesehen. Bevor das Seitenleitwerk angebracht wird, sollte man die Dekorbilder an Rumpf und Leitwerk anbringen. Die besten Ergebnisse habe ich erzielt, indem ich die Dekorbilder an den Ecken nach außen gezogen und festgehalten habe. Zum Üben empfiehlt es sich, erst mit den Dekorbildern für das Seitenruder und das Kennzeichen zu beginnen. Das Aufbringen der schwarzen Streifen am vorderen Rumpfteil habe ich vorgezogen, da der Rumpf noch nicht mit den Flächen verbunden ist und man daher nicht so eingeengt ist. 100 Prozent faltenfrei habe ich das nicht hinbekommen. Durchaus hilfreich ist es, nachdem man durch Verschieben des Dekorbildes die eigentliche Position erreicht hat, mit einem Balsamesser vorsichtig die Falten glatt zu streichen. Die Dekorbilder sind nach dem Aufbringen sehr empfindlich und so hat man oft schon einen „Lackschaden“, obwohl das Modell noch gar nicht in der Luft gewesen ist. Es kommt noch hinzu, dass sie nicht besonders haltbar sind. Hier sollte robbe vielleicht eine andere Lösung anstreben.

Nach dem Einbau des Seiten- und Höhenleitwerkes werden die Servos und die Rudergestänge sowie das Spornrad eingebaut. Nachdem die Halterungen für die Flächenstreben aufgeklebt sind, wird die untere Fläche verklebt. Zuvor sollte man die Streben auf Passgenauigkeit in den Vertiefungen überprüfen. Das Ankleben der oberen Tragfläche mit den vorbereiteten Schablonen lässt sich sehr leicht durchführen und es macht wirklich Spaß, die Bücker so schnell entstehen zu sehen. Zwei weitere Schablonen für die Überwachung des Einstellwinkels in der Flügelmitte fände ich sinnvoll. Sie könnten vielleicht dem Baukasten hinzugefügt werden. Es folgt das Anbringen der Fahrwerksverstrebung und der Verkleidung. Von Piloten, die bereits Erfahrungen mit der Bücker Jungmeister als Parkflyer haben, erfuhr ich, dass hier eine Schwachstelle vorliegt. Das Fahrwerk bricht gerne bei einer härteren Landung an der hinteren Fahrwerksstrebe. Ich habe daher die Stelle, an denen die Streben zusammen kommen, mit Zwirn und Epoxy verstärkt. Vor dem Einbau des Motors habe ich den Sternmotor, den es als Corel-Draw Datei im Internet gibt, auf Fotopapier gedruckt, zugeschnitten und vorne auf den Motorspant geklebt. Der Effekt ist verblüffend und wertet das Scale-Aussehen erheblich auf. Die Datei kann man im Bericht über die Bücker Jungmeister im Internet unter der Adresse http://www.rconline.net/magazin-2000/bueckerrobbe/buecker-robbe.shtml herunterladen. Anschließend wird der Motor mit den Kondensatoren und einem Ferritkern entstört. Ich habe mich zunächst für den Speed 300 entschieden, habe also eine etwas stärkere Motorvariante gewählt. Darauf hat mich einer der acht (!) Modellflieger gebracht, die beim robbe Indoor-Meeting 2003 in Dortmund die Bücker flogen. Um gleiche Höhe zu halten ist nur Halbgas nötig und das Modell fliegt entsprechend ruhig. Die Motorleistung reicht dann möglicherweise auch aus, um Bannerschlepp oder F-Schlepp mit einer LO-100 von robbe oder einem Grunau Baby von Krick als Parkflyersegler durchzuführen. Beim Anbringen des Getriebes empfiehlt es sich, das im Baukasten enthaltene Kunststoffritzel gegen ein ebenfalls bei robbe erhältliches Messingritzel auszutauschen. Das Kunststoffritzel ist ungeeignet, da es dazu neigt, auf der Motorwelle durchzurutschen.

Abschließend fügte ich noch einige Scale-Details hinzu, die nicht im Baukasten enthalten sind. Als erstes bekam die Bücker eine Plexiglasscheibe. Dazu habe ich mir eine Dreiseitenansicht auf Modellgröße hochkopiert, mit 0,8er Sperrholz eine Schablone angefertigt und dann die Scheibe entsprechend ausgeschnitten. Die Halterung ist durch einen Streifen schwarzes Isolierband angedeutet. Als weitere Scale-Details fügte ich noch ein Auspuffrohr, einen Piloten (aus der Stösser von Kavan), ein imitiertes Messingschild mit der Werknummer 10, eine angedeutete Reisegepäckklappe sowie einen Aufkleber für den Verbandkasten hinzu. Der Schwerpunkt stimmte übrigens auf Anhieb.

Einfliegen
Der Erstflug in einem nahe gelegenen Park klappte gleich auf Anhieb. Die Bücker stieg kerzengerade und zielstrebig in den Himmel und lag absolut ruhig in der Luft. Das Modell ließ sich völlig problemlos steuern und auch die Landung klappte. Verwundert hatte mich lediglich die Flugzeit von nur knapp zwei Minuten. Obwohl ich den Akku drei Mal mit C10 über die Funktion Entladen/ Laden formiert hatte, war er schnell leer. Ein Hilferuf im Internet brachte entscheidende Hinweise. Die im Baukasten enthaltene und für den Speed 280 vorgesehene Luftschraube ist für den Speed 300 zu groß und hat eine zu große Steigung. Ich versuchte es daraufhin mit einer 9 x 4,7 anstatt mit der im Baukasten enthaltenen 10 x 7. Die kleinere Luftschraube brachte allerdings keine wesentlich längeren Flugzeiten. Dann tauschte ich den Speed 300 gegen einen 280 BB aus (BB steht für „ball bearing“, also Kugellager) und legte mir noch 8 Zellen Twicell 750 AAA (Nickel-Metall-Hydrid Akkus) zu. Mit dieser Kombination lagen die Flugzeiten bei satten zehn Minuten.

So macht Parklyer fliegen Spaß.


Noch höhere Flugzeiten lassen sich mit Lithium-Polymer Akkus erreichen, die allerdings auch ein spezielles Ladegerät erforderlich machen. Bei einer Landung, die nicht gerade eine Drei-Punkt-Landung war, ist eine der Querstreben des Fahrwerks angebrochen. Ich habe deshalb die querliegenden Balsa-Fahrwerksstreben von unten mit einem Glasfaserrundstab verstärkt. Vielleicht sollte man diese Querstreben bereits im Baukasten als Kiefernleisten vorsehen. Wegen des geringen Raddurchmessers und des Abstandes vom Boden bis zu den Fahrwerksquerstreben eignet sich die Bücker Jungmeister eher zum Starten und Landen von Asphalt- oder Betonflächen als von holprigen und nicht gerade kurz gemähten Rasenflächen.

Fazit
Das Modell macht in der Luft eine exzellente Figur und sieht ausgesprochen originalgetreu aus. Der Bau hat sich gelohnt und man wird mit einem einmaligen Flugbild belohnt. Mit der Bücker Jungmeister zu fliegen macht sehr viel Spaß – tatsächlich das perfekte Feierabendvergnügen.
Rainer Deußen

Hinweis: alle Fotos von diesem Modell findet ihr hier >>>

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