|
Märkische Allgemeine Zeitung vom 19. September
2008
DENKMALSTAG: Schüler erforschen Schulgelände
Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich mit der Vergangenheit
des Rangsdorfer Flugplatzes
Von Andrea von Fournie
RANGSDORF Felix und Kai, Schüler
der 9. und 10. Klasse, warteten hinter dem Büchertisch als
Empfangsteam gespannt auf Neuankömmlinge. Hier im Vestibül
des ehemaligen Rangsdorfer Aeroclubs, der heute als Mensa der Seeschule
dient, konnten Neugierige zum Tag des offenen Denkmals erste Informationen
und Literatur bekommen sowie Fotos zur Arbeit der AG „Geschichtswerkstatt“
betrachten. Die Arbeitsgemeinschaft befasst sich mit der Erforschung
der Geschichte des ehemaligen Rangsdorfer Flugplatzes, auf dem das
Gelände der Privatschule liegt. Damit bekommen die Schüler
einen sehr lebendigen Bezug zu ihrem Lernort.
Das vergangene Wochenende war für die AG-Mitglieder die erste
Feuerprobe: bislang waren sie noch nicht an die Öffentlichkeit
getreten. Doch Kai, Felix und die drei angereisten Mädchen
hatten kein Problem mit dieser Aufgabe. Geschichts- und Geografielehrer
Holger Zschoge, der die Arbeitsgemeinschaft seit zwei Jahren leitet,
koordinierte kurz vor Veranstaltungsbeginn noch einmal die Aufgaben.
„Auskunftserteilung hier, Führungen bei Bedarf –
ich mache die erste mit, Kaffee und Kuchen drüben bei den Abiturienten
– alles klar?“ Und schon nach wenigen Minuten freuten
sich die Gastgeber über die ersten Neugierigen. „Unsere
Schulleiterin berichtete, dass in den vergangenen Jahren am Denkmalstag
regelmäßig Leute vor unserer verschlossenen Tür
standen, sodass wir uns erstmals beteiligen. Wir wussten nicht,
ob das Angebot angenommen werden würde“, so Holger Zschoge.
Und schon machte er sich mit den Mädchen der AG und der Besuchergruppe
auf zur Führung.
Flugzeuge zu Wasser und auf dem Land
Erste Station war die Terrasse des Aeroclubs. Dass diese zur Wasser-
und Landseite zeigt, hat ihren Grund darin, dass Rangsdorf zunächst
ein Wasserflugplatz war, erklärte Zschoge. Erst danach wurde
an der gegenüberliegenden Seite strahlenförmig der unbefestigte
Landflugplatz errichtet.Interessiert hörte der AG-Leiter auch
seinen Gästen zu, die teilweise gut informiert waren. Familie
Rüdiger, die mit zwei kleinen Kindern die Besichtigung mitmachte,
ist kürzlich nach Rangsdorf gezogen. Doch Vorfahren lebten
bereits 1906 hier, sodass es viele alte Fotos und Geschichten in
der Familie gibt.Anschließend sah man sich die Nachrichtenstation,
den Appellplatz und die Offizierswohnhäuser an. Hier stand
die Frage nach dem Ursprung der Holzhäuser. „Die wurden
von den Sowjets gebaut“ meinten die einen. „Die Schornsteine
im Verbund gemauert – das ist deutsch“, die anderen.
Es ist also noch einiges zu erforschen für die Schüler.
Vielfältig neue Erkenntnisse gewinnen
Die sind bereits mit selbst entworfenen Fragebögen durch
Rangsdorf gestreift und haben Senioren zum Flugplatz befragt. „Manche
sind eine tolle Auskunftsquelle gewesen, andere wollen davon nichts
mehr wissen und nicht darüber sprechen“, sagt Felix.
Auch bei Internetrecherchen haben die Jugendlichen viel erfahren.
Sie sind auch mehrfach über das Gelände gestreift und
haben Fundstücke – vom Feldtelefonhörer und von
Hinweistafeln bis zur „Stolitschnaja“-Wodkaflasche –
gesammelt, die in einer Vitrine zu besichtigen sind.
Die Zusammenarbeit mit dem Bückermuseum erweist sich als sehr
fruchtbar. Hier hofft die AG auch auf eine Ausstellung später
einmal. Am Gedenkstein für Claus Schenk Graf von Stauffenberg,
der zum Hitlerattentat am 20. Juli 1944 von hier aus startete, endete
der Rundgang. „Es war sehr informativ und es gab viel Neues
zu erfahren“, war nicht nur die Meinung von Familie Rüdiger.
zurück
|