| Märkische Allgemeine Zeitung
vom 07. Mai 2004 (HEIMATGESCHICHTE)
Eine Legende wurde 70
Im April 1934 startete der Doppeldecker Bücker
Jungmann zum Erstflug
SIEGFRIED WIETSTRUK
RANGSDORF Sie fliegen heute noch,
in Deutschland und Österreich, in der Schweiz und in Spanien,
in Frankreich und Großbritannien, aber auch in den USA, um
nur einige Länder zu nennen. Diese zweisitzigen Doppeldecker
Bücker Bü 131 Jungmann sind eine Legende geworden und
aus der Oldtimer-Sportfliegerei der Gegenwart nicht wegzudenken.
Der Prototyp, die Bü 131 V-1 mit dem Kennzeichen D-3150, startete
vor 70 Jahren, genauer gesagt am 27. April 1934, zum Erstflug.
Es
begann Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der Deutsche
Carl Clemens Bücker verkaufte nach zehnjähriger
Tätigkeit mit ersten eigenen Flugzeugkonstruktionen in Schweden
sein Werk, die Svenska Aero AB. Dem bei ihm bis dahin beschäftigten
schwedischen Konstrukteur Anders Johan Andersson gab er den Auftrag,
Überlegungen für ein neues Schul- und Sportflugzeug anzustellen,
das dann in Deutschland gebaut werden sollte.
Im Herbst 1933 war es so weit. C.C. Bücker gründete am
3. Oktober die Bücker-Flugzeugbau GmbH, die unter provisorischen
Bedingungen im Ambi-Budd-Karosserie-Werk in Berlin-Johannisthal
die Arbeit aufnahm. Zu den noch wenigen Mitarbeitern, Ende 1934
waren es 51, zählte Anders J. Andersson, nun Bückers Chefkonstrukteur,
der Pläne für ein zweisitziges Schul- und Sportflugzeug
mitgebracht hatte. In nur wenigen Monaten entstand der neue, auch
für den Kunstflug geeignete Doppeldecker, ausgerüstet
mit einem Vierzylinder-Reihenmotor Hirth 60R (80 PS/59 KW).
Dem Erstflug des Prototypen folgten Vorführungen vor der Presse.
Eine der Zeitungen berichtete: ”Es ist zu erwarten, dass dieses
kleine, sehr ansprechende Flugzeug den ihm zugedachten Zweck voll
erfüllen wird und
dass es im deutschen Flugsport bald eine große Rolle spielen
dürfte.”
Diese Vorhersage sollte in Erfüllung gehen, insbesondere nach
dem Umzug in das neu gebaute Werk in Rangsdorf im Herbst 1935.
Hier
entwickelte sich die Serienproduktion unter entsprechenden räum-
lichen Bedingungen und mit ständig wachsender Belegschaft.
Als Bü 131 B erhielt der Doppeldecker einen stärkeren
Motor HM 504-A-4 mit 105 PS.
Diese Ausführung wurde in der Luftwaffe auch für die Anfangssausbildung
der Piloten eingesetzt. Gleichzeitig boomte der Export. Bis Kriegsbeginn
1939 konnte die Bü 131 Jungmann in 23 Länder exportiert
werden. Für die Beliebtheit auch im Ausland sprach, dass Lizenzen
zum Bau dieses Flugzeuges in die Schweiz (Do/Bü 131), in die
Tschechoslowakei (Tatra T 131 beziehungsweise Aero C 104), nach
Spanien (CASA 1.131) und Japan (Ki 86 beziehungsweise K9W-1) vergeben
wurden.
Wenngleich die ganz exakte Zahl der insgesamt hergestellten Bü
131 nicht zu ermitteln ist, kann mit rund 3000 Exemplaren in Rangsdorf
und unter Einschluss der Lizenzbauten mit insgesamt über 5000
Exemplaren gerechnet werden.
Die heute in den verschiedensten Ländern noch fliegende Bücker
Bü 31 Jungmann stammen überwiegend aus einem Lizenzbau
früherer Zeiten. Die Beliebtheit dieses Doppeldeckers, der
Bücker und Rangsdorf in der Welt bekannt machte und inzwischen
zu einer Legende wurde, ist jedoch derart anhaltend, dass es inzwischen
Neuproduktionen dieses Oldtimers gibt, darunter in den USA und in
Polen. Alles spricht dafür, dass auch zum 80. Geburtstag des
Erstfluges in zehn Jahren dieser Oldtimer auf vielen Flugsportveranstaltungen
anzutreffen sein wird.
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